Nun zu meiner ersten Arbeitswoche. In den ersten Tagen war ich in der Firma in Beaconsfield, circa 15min mit dem Rad ausserhalb von Freo. Hier sind wir an einer grossen Küche und Arbeitstischen am Arbeiten für den reichsten Mann von Western Australia, einem Mienenbesitzer. Das Projekt / Haus soll bis Weihnachten einzugsbereit sein und wir installieren fertige Möbel mit heiklen Oberflächen während draussen noch Abbrucharbeiten ausgeführt werden.
Zurück zur Firma. Diese besitzt einen recht grossen Bankraum und einen Maschinenraum. Im Maschinenraum findet man wie bei und eine gute, grosse Tischkreissäge von Altendorf und eine Kantenleimmaschine. Zudem eine CNC, aber diese besitzt nicht wie bei uns Sauger, sondern nur eine luftdurchlässige, dünne Deckplatte (keine Ahnung wie genau das funktioniert) und sie sind nicht fähig Stirnbearbeitungen mir dieser 5-Achs CNC hinzubekommen. Kein Wunder, es ist auch niemand auf der Maschine oder gar im Programmieren ausgebildet. Zudem eine winzige Abricht und eine Dickenhobelmaschine. That’s it! Also keine Stribig, keine Kehlmaschine oder ähnliches. Das heisst die Plattenware wird auf der TKS zugeschnitten, wohl deshalb sind die Platten hier nur 2200x1200. Wenn du also etwas grösseres brauchst, musst du es halt verleimen. Dies habe ich gefühlt auch die ersten drei Tage gemacht. Aber eine Schraubzwinge mit mehr als 600mm Ausladung sichte ich auch vergeblich. Sie haben immerhin ähnlich einer Deckenstütze, nur umgekehrt zum Zusammenziehen. Diese Funktionierten besser als erwartet, können jedoch nur auf einer Seite effizient angebracht werden und deswegen wurden die Werkstücke sehr krumm!
Zudem brauchten wir eine Dicke von 38mm, also musste ich zwei 19mm Platten miteinander verkleben. Einfacher gesagt als getan. Eine Furnierpresse oder ähnliches kennen sie hier nämlich auch nicht. Also klassisch mit Schraubzwingen und die Zulage in der Mitte unterlegen, um wenigstens etwas Druck in der Mitte zu erzeugen.
Ach, und die Teile, welche ich in der Dicke verleimen musste, waren auch zusammengestückelt, wenn es irgendwie möglich war. Material ist nämlich extreme Mangelware hier und so ist die Unterseite des Bodens aus drei Teilen zusammengesetzt, was will man mehr.
Besonders Furnierte Platten können sie hier nicht herstellen und so weit ich mitbekommen habe, gibt es keine Firma an der Ostküste mehr, die Furnierplatten produziert. Diese kommen also alle aus dem Westen angekarrt, wie praktisch.
Sie haben jedoch tatsächlich eine Lamello Clamex Maschine, die bereits ein wahrer Lebensretter war. Aber die eigentliche Lamello Maschine ist leider nicht von Lamello, sondern von Makita, auch hier sehe ich den Sinn dahinter nicht. Alle anderen Handmaschinen sind von Festool. Also Akkuschrauben, Staubsauger, mobile Tischkreissäge, Dominodübel Maschine und mehr Handmaschinen habe ich noch nicht im Einsatz gesehen…
Mittwoch ging es noch nach Perth für die White Card. Ohne diese darf niemand auf die Baustelle. Also sass ich und Sam, ein neuer Azubi? im Klassenzimmer und haben nach einer 15-minütigen Instruktion einen Test innert 45min ausgefüllt und anschliessend mussten wir noch demonstrieren, wie man Helm, Gehörschutz und Schutzbrille anzieht (kein Witz!). Nach der Demonstration wurde uns ein vorgefertigtes Zertifikat und die White Card überreicht. Er hat meinen Test ca. 30sec lang überprüft… Der ganze Spass hat die Firma 100AUD pro Person gekostet und wir machten uns auf die 30-minütige Rückfahrt in die Werkstatt. Ich fuhr hier zum ersten Mal selbst und ich muss sagen solang Verkehr um mich herum herrscht, ist es kein Problem. Nur wenn ich allein auf der Strasse bin, will ich nach wie vor auf der rechten Seite der Strasse fahren.
Donnerstags war die Einführung auf der Baustelle. Hierzu findet man sich um 0645 im Baubüro ein, mit allen anderen die die Einführung noch benötigen. Nach 30-minütigem warten und ausfüllen von einigen Dokumenten und das Kleben zweier Kleber auf den Bauhelm (einmal das man die Einführung besucht hat und einmal ein QR-Code um sich auf der Baustelle ein und aus zu Stempeln) hielt einer der zwanzig Bauführer eine kleine Ansprache was wie wann und wo läuft und dann hiess es viel Spass. Nach einer kleinen Besichtigung auf der Baustelle ging es zurück in die Werkstatt.
Nachmittages verbrachte ich die Zeit damit, zwei Schubladen zu produzieren. Also ich musste erstmal den Blum Katalog zur Hand nehmen und ausrechnen, wie gross die Schublade sein muss. Nach einer Werkstoffliste habe ich nicht mal gesucht, ich wusste bereits das diese inexistent sind, so wie Masse auf den Werkplänen. Das Einzige das ich gut finde. Fast alle Beschläge die Handwerk verwendet ist Blum. Zudem sind alle Schrauben von Würth und die Geräte, die ich gesehene habe, waren sogar von Miele. Doch gerade bei den Geräten ist es immer ein Budget frage.
Auf der Baustelle gilt grundsätzlich Handschuhe auf Clip, also nur dabeihaben, Leuchtwest und Bauhelm an. So weit so gut, könnte schlimmer sein.
Zur Arbeit auf dem Bau kann ich nicht viel sagen. Den ganzen Freitagmorgen habe ich mit richten von Türen und Schubladen verbracht und nachmittags sollte ich mit der Küche im Erdgeschoss beginnen. Da wir aber nur auf Probleme gestossen sind, wie zum Beispiel; Sanitärleitungen im Weg, 50mm bis 200mm Hohlraum hinter den Gipsplatten und Stromleitungen überall und keiner weiss, wohin sie gehen. Lichtmasse die zu klein oder zu gross sind. Ach, und Leerrohre geschweigenden Flex-rohre sucht man hier auch vergebens. Kabel einziehen und fertig. Einiges hatte sich im verlauf ders Tages noch geklärt, jedoch beschloss ich erst morgen Montags richtig zu beginnen, da es vorher einfach noch keinen Sinn machte.